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Zwischen Juni und Oktober hat Schneider Electric vereinbart, Cognite und PTC zu kaufen: einen Wissensgraphen für Anlagendaten und die Software, in der viele Maschinenbauer konstruieren. Wer auf einer der beiden Plattformen arbeitet, sollte wissen, was bis zum Abschluss in seinen Verträgen stehen muss.

18. Oktober 2026

Jedes Stück gegen die Primärquelle gelesen. Wo die Berichterstattung danebenliegt, steht es im Kommentar.

Fünf Stücke dazu, wem die Software einer Fabrik gehört. Schneider Electrics Vereinbarung, PTC zu kaufen, und was sie verspricht. Der Kauf von Cognite drei Monate davor, mit derselben Begründung. Das Unternehmen eines Finanzinvestors, das PTCs frühere IoT-Sparte führt. Ein Marktüberblick, der beschreibt, woran man erkennt, ob sich ein Anbieter später ersetzen lässt. Und der Teil des Data Act, der den Wechsel zwischen Cloud-Diensten regelt. Kuratiert, kommentiert, nicht aggregiert.

Schneider Electric · PTC
5. Okt. 2026
Schneider Electric to acquire PTC, creating the next level of Energy and Industrial Intelligence

Das Stück der Woche, weil es eine Plattform betrifft, auf der viele Maschinenbauer ihre Produkte entwickeln. Am 5. Oktober haben Schneider Electric und PTC bekanntgegeben, dass Schneider PTC für 205 Dollar je Aktie in bar übernimmt, rund 22,6 Milliarden Dollar für das Eigenkapital und 42,3 Prozent über dem letzten Schlusskurs. Finanziert wird das mit einer Kapitalerhöhung von rund 5 bis 6 und neuen Schulden von rund 16 bis 17 Milliarden Euro; den Aktienrückkauf will Schneider voraussichtlich 2027 und 2028 pausieren. PTC liefert CAD, PLM, ALM und Service-Software an nach eigener Angabe mehr als 30.000 Kunden. Abschließen wollen beide bis zum dritten Quartal 2027, nach der Zustimmung der PTC-Aktionäre und behördlichen Freigaben, laut PTCs Meldung an die US-Börsenaufsicht unter anderem der US-Kartellprüfung und des CFIUS. Die erwarteten rund 800 Millionen Euro Umsatzsynergien sollen an erster Stelle aus Cross-Selling in beide Richtungen kommen. Für Maschinenbauer zeigt Schneiders Investorenpräsentation, worauf das zielt: „Open Software Defined Automation: design once, build right, run smarter“, neben der eigenen Automatisierungssoftware Automation Expert. Matthieu Kulezak von Interact Analysis sieht die Chance darin, Beziehungen früher aufzubauen, „before these customers select automation equipment“. Die Mitteilung verspricht dabei, einen „open-by-design approach across vendors and hardware“ zu bewahren. Genauer hat Schneider das schon einmal zugesagt: Als es 2022 AVEVA ganz übernehmen wollte, versprach es „the equal ability to work with or without Schneider Electric hardware“, dazu eigene Marke, eigenen Vertrieb und eigene Entwicklung. In den Unterlagen zu PTC stehen solche Grundsätze bisher nicht. ThingWorx und Kepware gehören nicht zum Geschäft, sie sind seit März bei Velotic. Wer Windchill oder Creo nutzt, behält PTC als Vertragspartner, künftig als Tochter von Schneider. Bis es für PTC Grundsätze wie bei AVEVA gibt, wird Offenheit dort verbindlich, wo Kunden bis zum Abschluss unterschreiben.

Schneider Electric · Cognite
30. Juni 2026
Schneider Electric announces agreement to acquire Cognite, unlocking a new level of strategic intelligence for Industrial AI

Drei Monate vorher der Wissensgraph. Am 30. Juni hat Schneider vereinbart, Cognite für 3,1 Milliarden Dollar in bar zu kaufen. Betriebsdaten hat der Konzern schon, mit dem PI System, das über AVEVA seit 2021 dazugehört; Cognite verknüpft technische, betriebliche und Unternehmensdaten in einem Wissensgraphen, auf dem KI arbeiten soll. Der Umsatz lag 2025 nach Unternehmensangabe über 170 Millionen Dollar. Nach dem Abschluss geht Cognite in AVEVA auf. Abgeschlossen ist der Kauf noch nicht; in der PTC-Mitteilung vom 5. Oktober steht er weiter unter dem Vorbehalt behördlicher Freigaben. Beide Mitteilungen begründen den Kauf mit dem Kontext, den KI braucht. Wie weit das reicht, zeigt die Investorenpräsentation zum PTC-Kauf: Über den Daten liegt eine Schicht „Trusted Action“ mit „Permissions · Governance · Domain constraints“, darüber KI-Agenten, die „act on the physical world in a trusted context“. Ich lese das so: Schneider will besitzen, worauf die Agenten einer Fabrik stehen, bis zu der Schicht, die festlegt, was ein Agent tun darf. Für einen Kunden ist deshalb neben dem Export seiner Daten zu klären, zu welchen Bedingungen Agenten anderer Anbieter sie lesen und schreiben dürfen.

TPG · Velotic
17. März 2026
Velotic Launches to Shape Future of Industrial & Manufacturing Software

Das andere Eigentümermodell. Bevor Schneider den Kauf von PTC vereinbarte, hatte PTC seine IoT-Sparte abgegeben, Kepware und ThingWorx. Seit März bilden beide mit GE Vernovas früherem Proficy-Geschäft Velotic, von TPG übernommen und nach eigener Angabe mit mehr als 300 Millionen Dollar Umsatz. Chef ist Brian Shepherd, zuvor unter anderem bei Rockwell Automation, Hexagon und PTC; Executive Chairman ist James Heppelmann, der frühere Chairman und CEO von PTC. Velotic nennt sich „hardware-agnostic“, die drei Produktlinien bleiben eigenständig. Velotics Unabhängigkeit beruht auf dem Eigentum, und bei einem Finanzinvestor gehört der nächste Verkauf in der Regel zum Plan. Bei PTC ist der künftige Eigentümer bekannt; offen ist, wie eigenständig PTC bleiben darf.

Kai Waehner
12. Okt. 2026
Industrial IoT Landscape Q4 2026: The Plant Floor Is Becoming Software

Waehner ist Global Field CTO beim Orchestrierungsanbieter Kestra und berät mit eigenem Unternehmen. Sein Marktüberblick ordnet Industrial IoT in vier Spalten, von der Anbindung der Maschinen bis zur Anwendung, und fasst die Eigentümerwechsel der vergangenen 18 Monate in einem Satz zusammen: „Private equity is building focused independents while the automation giants buy context, and both bets assume the plant is where the value sits.“ Für einen Käufer nützlicher ist das Kapitel zu den Standards, an denen sich nach Waehner entscheidet, ob eine heutige Anbieterwahl in fünf Jahren noch umkehrbar ist. OPC UA unterstütze fast jeder Anbieter; prüfen müsse man, ob der Server echte Companion-Specification-Modelle zeigt oder eine flache, eigene Sicht: „An OPC UA server with custom variables is connected, not interoperable.“ Er sagt auch, was Standards kosten. Auf manchen Steuerungen ist für OPC UA eine Laufzeitlizenz je CPU fällig, und eine Abfrage über den Standard kann bis zu zwei Größenordnungen mehr Latenz und Steuerungslast erzeugen als das native Protokoll. Ob eine Plattformwahl umkehrbar bleibt, wird beim Kauf festgelegt, in den Datenmodellen und im Vertrag.

Europäische Union · EUR-Lex
13. Dez. 2023
Data Act, Verordnung (EU) 2023/2854, Kapitel VI: Wechsel zwischen Datenverarbeitungsdiensten

Zum Schluss der Teil, der Gesetz ist. Seit dem 12. September 2025 regelt der Data Act den Wechsel zwischen Datenverarbeitungsdiensten. Gemeint sind Dienste, die über das Netz bei Bedarf Zugriff auf einen gemeinsam genutzten, skalierbaren und elastischen Pool von Rechenressourcen geben (Art. 2 Nr. 8); Erwägungsgrund 81 zählt dazu Infrastruktur, Plattformen und Software als Dienst. Wie weit spezialisierte Industriesoftware als Dienst darunter fällt, wird unterschiedlich gelesen. Der Vertrag muss den Wechsel zu einem anderen Anbieter oder in die eigene Infrastruktur erlauben, mit einer Frist von höchstens zwei Monaten, um den Wechsel einzuleiten, und danach einem Übergangszeitraum von höchstens 30 Tagen, in dem der bisherige Anbieter den Dienst weiterführt und beim Wechsel hilft; ist das technisch nicht machbar, kann der Anbieter den Zeitraum mit Begründung auf bis zu sieben Monate verlängern (Art. 25). Ab dem 12. Januar 2027 darf er keine Wechselentgelte mehr erheben, bis dahin höchstens die Kosten, die ihm unmittelbar durch den Wechsel entstehen (Art. 29). Die laufenden Entgelte bis zum Vertragsende und verhältnismäßige Sanktionen bei vorzeitiger Kündigung eines befristeten Vertrags zählen nicht dazu (Art. 2 Nr. 36, Erwägungsgrund 89). PTC bietet Windchill+ und Creo+ als SaaS an; für eine Windchill- oder Creo-Lizenz im eigenen Rechenzentrum gelten diese Regeln nicht. Für Dienste, die überwiegend für einen einzelnen Kunden gebaut und nicht breit angeboten werden, entfallen unter anderem die Regeln zu den Entgelten (Art. 31). Was das Gesetz nicht abdeckt, gehört in den Vertrag.

Dazu passend: IoT — das Fundament, auf dem der Agent läuft →

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