Alle Ausgaben

Microsoft stellt Azure IoT Central ein, AWS beendet Greengrass V1 am 7. Oktober, Orange schaltet 2G ab. Die Geräte, die darauf gebaut wurden, stehen noch im Feld.

4. Oktober 2026

Jedes Stück gegen die Primärquelle gelesen. Wo die Berichterstattung danebenliegt, steht es im Kommentar.

Fünf Stücke zu den Enddaten unter einem vernetzten Produkt. Microsoft stellt Azure IoT Central ein, mit den drei Jahren Vorlauf, auf die es 2024 verwies. AWS beendet Greengrass V1 am 7. Oktober, während die eigene Richtlinie weiter von keinem Plan dafür spricht. Die Arcep zählt auf dem französischen Festland gut zwei Millionen M2M-Karten in Geräten, die nur 2G oder 2G und 3G können, während Orange 2G abschaltet. IoT Analytics sieht Mobilfunkmodule teurer werden und immer mehr davon von chinesischen Herstellern kommen. Und der Data Act verlangt seit dem 12. September Datenzugang ab Werk, allerdings weniger, als die DIHK schreibt. Kuratiert, kommentiert, nicht aggregiert.

Microsoft
25. Sept. 2026
Azure IoT Central is evolving: what you need to know

Das Stück der Woche, weil es zeigt, wie ein Enddatum aussieht, wenn es kommt. Am 23. September hat Microsoft angekündigt, dass sich Anwendungen in Azure IoT Central nicht mehr neu anlegen lassen; bestehende laufen „as-is“ bis zum 20. September 2029 und sind danach „no longer available“. Als Grund nennt der Blogbeitrag vom 25. September, Microsoft konzentriere seine Investitionen auf eine „unified, Azure-native platform rather than a fixed application experience“. Der empfohlene Weg führt über IoT Hub, den Device Provisioning Service und Microsoft Fabric; die Azure Device Registry, die das Geräteinventar übernehmen soll, ist noch „in preview“. Im Februar 2024 hatte Kam VedBrat von Microsoft eine Systemmeldung, nach der IoT Central im März 2027 enden und sich ab April 2024 nicht mehr neu anlegen lassen sollte, „not accurate“ genannt, sie sei „presented in error“. Er verwies auf das Standardverfahren mit drei Jahren Vorlauf, und fast genau die bekommen bestehende Anwendungen jetzt. Für eine Anlage, die dieses Jahr ausgeliefert wird und ein Jahrzehnt oder länger im Feld steht, sind drei Jahre Vorlauf eine Migration, die niemand eingepreist hat, Jahre vor dem Ende der Laufzeit. Wer ein vernetztes Produkt baut, kauft Abhängigkeiten mit einem Enddatum, das ein anderer festlegt.

Amazon Web Services
Support endet 7. Okt. 2026
AWS IoT Greengrass Version 1 maintenance policy

Dasselbe Muster bei AWS, einen Schritt weiter. Über der Wartungsrichtlinie für AWS IoT Greengrass Version 1 steht: „On October 7th, 2026, AWS will discontinue support for AWS IoT Greengrass Version 1.“ Seit Oktober 2025 führt AWS den Dienst in einer Liste von Diensten, die „entering sunset“ sind. Was danach geschieht, sagt dieselbe Seite: Endet die letzte Phase, können sich Geräte mit der Core-Software v1.x nicht mehr mit den AWS-Diensten verbinden, um zu arbeiten. In dieser letzten Phase, „extended life“, ist die Software seit dem 30. Juni 2023, und in ihr gibt es keine Sicherheitskorrekturen mehr. Einen Nachfolger gibt es seit Dezember 2020; an Vorlauf hat es nicht gefehlt. Weiter unten auf derselben Seite steht allerdings noch immer, es gebe keinen Plan, die Unterstützung der Core-Software v1.x einzustellen („no plan to stop supporting“), die Endpunkte blieben „until further notice“ verfügbar, und AWS werde zwölf Monate vorher Bescheid geben. Wer das Enddatum seiner Plattform im Abschnitt über Enddaten sucht, findet dort keins.

Arcep
24. Sept. 2026
Abschaltung der Mobilfunknetze 2G und 3G: 1,7 Millionen 2G-Geräte waren Ende Juni 2026 noch aktiv

Unter der Cloud liegt das Netz, und auch das hat ein Datum. Orange schaltet 2G auf dem französischen Festland seit März schrittweise ab, zuletzt in drei Wellen: am 22. September Nizza, am 6. Oktober 44 Departements, am 20. Oktober 43 weitere; 3G folgt 2028. Die französische Regulierungsbehörde Arcep hat am 24. September veröffentlicht, was noch daran hängt. Die 1,7 Millionen in ihrer Überschrift sind alle Geräte, die nur 2G können, Telefone und Maschinen zusammen. Ende Juni steckten bei den vier großen Netzbetreibern 2,01 Millionen M2M-SIM-Karten in Geräten, die nur 2G oder nur 2G und 3G können, 7,7 Prozent aller M2M-Karten ohne die von Autoherstellern verbauten. Davon können 620.000 nur 2G. Als Beispiele nennt die Arcep vernetzte Alarm- und Überwachungssysteme, Hausnotrufe und die Notrufanlagen in Aufzügen. Im zweiten Quartal sank die Zahl der reinen 2G-Karten im M2M-Bereich um 160.000 oder 20,5 Prozent, schneller als bei Telefonen. Mit 160.000 pro Quartal gerechnet blieben Ende Oktober noch rund 400.000, über alle vier Netze. Wer vor Jahren das Modul in einem Aufzugnotruf ausgewählt hat, hat damals auch entschieden, wer es heute tauschen muss.

IoT Analytics
16. Sept. 2026
Cellular IoT Module Shipments Up 15% in H1 2026 as ASPs Rise on Memory Costs

Und das Modul selbst. Satyajit Sinha von IoT Analytics zählt im ersten Halbjahr 15 Prozent mehr ausgelieferte Mobilfunkmodule für IoT und nach vier Quartalen im Minus erstmals wieder höhere Durchschnittspreise, rund 2,5 Prozent über dem Vorjahr. Vor allem wegen Speicher und anderer Bauteile: Ein Modulhersteller berichtete, ein DDR3-Baustein der oberen Klasse koste rund siebenmal so viel wie im ersten Quartal. Ein ungenannter Manager eines Modulherstellers beschreibt Lieferzeiten, die für LPWA- und Cat-1-bis-Module von etwa 12 über 16 auf fast 22 Wochen gestiegen sind. Von den Modulen, die außerhalb Chinas ausgeliefert werden, kommen inzwischen rund 59 Prozent von chinesischen Herstellern, 2018 waren es etwa 35; Quectel allein hat dort rund 38 Prozent. Semtech, das 2023 Sierra Wireless übernommen hatte, hat vereinbart, sein Modulgeschäft für 62 Millionen Dollar an Compal zu verkaufen. Der Lieferant, der in der Stückliste steht, bestimmt mit, wann Firmware für das Modul kommt, zu welchem Preis nachgeliefert wird und ob es ihn in zehn Jahren noch gibt.

Regulation (EU) 2023/2854
Gilt seit 12. Sept. 2026
Data Act, Artikel 3, 4 und 50

Zum Schluss der Data Act. Seit dem 12. September gilt Artikel 3 Absatz 1 für vernetzte Produkte, die danach in Verkehr gebracht werden: Produktdaten und verbundene Dienstdaten samt der nötigen Metadaten müssen „standardmäßig“ einfach, sicher, unentgeltlich und maschinenlesbar zugänglich sein, und „soweit relevant und technisch durchführbar, direkt“ für den Nutzer. Schon seit September 2025 muss der Verkäufer vor dem Kauf-, Miet- oder Leasingvertrag sagen, welche Daten das Produkt erzeugt, ob es sie im Gerät oder auf einem entfernten Server speichert und wie der Nutzer sie abruft. Die DIHK schreibt in ihrer Übersicht, Geräte müssten so gestaltet sein, dass die Daten „direkt und automatisch verfügbar“ sind. Direkt verlangt die Verordnung nur, soweit relevant und technisch durchführbar; sonst stellt der Dateninhaber die Daten nach Artikel 4 „auf einfaches Verlangen“ bereit. Die Pflicht knüpft an den Tag an, an dem das Produkt in Verkehr kommt. Wie lange der Weg zu den Daten hält, wenn die Cloud dahinter 2029 abgeschaltet wird, sagt sie nicht. Das entscheidet die Architektur, und die steht, bevor die erste Einheit ausgeliefert wird.

Dazu passend: IoT — das Fundament, auf dem der Agent läuft →

Von mir dazu: The CRA makes every end date in your IoT stack yours → · 20 Min., auf Englisch

Die Leseliste per E-Mail, sobald der Versand startet: fünf Stücke, mein Kommentar, auf Englisch. Jederzeit kündbar.